Abschied

•25. Juni 2017 • Schreibe einen Kommentar

Ich werde mich auf dieser Plattform verabschieden, denn ich ziehe um. Also nicht privat sondern mein Blog wird einer eigenen Website weichen, auf der ich von Reisen, Geocachen, Kochen und anderen interessanten Dingen berichten bzw. erzählen will.

Wer nun also neugierig ist, auf https://www.cachen-reisen-kochen.de geht es zukünftig weiter. Ich freu mich auf euch!

Unbenannt

Andernach und der Geysir

•9. Juni 2017 • Schreibe einen Kommentar

Unsere Tour durch die Eifel begann in Andernach. Eigentlich kamen wir nur hierher um uns den Geysir (ja auch in good old Germany gibt es Geysire) anzuschauen.

Der Geysir Andernach ist mit etwa 50 bis 60 Metern Auswurfshöhe der höchste Kaltwassergeysir der Erde. Aber was genau bedeutet denn Kaltwasser-Geysir? Als Geysir stellt man sich ja sofort die großen heißen Geysire Islands vor.

Voraussetzung für einen Kaltwassergeysir ist CO2, das durch vulkanische Vorgänge ins Grundwasser abgegeben wird und dort in gelöster Form vorliegt. Das Grundwasser reichert sich zunehmend mit CO2 an, bis es keines mehr aufnehmen kann. Im Normalfall wird das CO2 daraufhin von der Grundwasseroberfläche langsam und regelmäßig freigegeben und sucht sich seinen Weg durch das überlagernde Erdreich. Bei einem Kaltwassergeysir ist in der Regel dieses CO2-haltige Grundwasser angebohrt und verrohrt worden. In diesem Rohr hat das Grundwasser eine direkte Verbindung zur Oberfläche. Die freie Wasseroberfläche in der Bohrung bietet dem CO2 bei Erreichen der Lösungsgrenze die Möglichkeit, ungehindert auszuperlen. Dadurch fällt der Druck, sodass weiteres CO2 freigesetzt wird und das Wasser zu sprudeln beginnt. Der CO2-Gehalt im Grundwasser nimmt durch den Gas- und Wasseraustritt ab, bis die Reaktion zum Erliegen kommt. Im Anschluss an die Eruption beginnt der Prozess von Neuem. Verschließt man das Bohrloch, so gibt das Grundwasser das CO2 wieder über das Erdreich ab.

Andernach hat seinen Geysir touristisch schön ausgeschlachtet denn der Besuch des Geysirs kostet stolze 15€. Ja, dafür kriegt man auch ein kleines Rahmenprogramm dazu. Im Ticketpreis inbegriffen ist ein Museumsbesuch so wie eine ca. 20 minütige Schifffahrt zum Geysir und wieder zurück. Für alles zusammen sollte man schon 2-3 Stunden einplanen. Auch wenn ich den Preis von 15€ ziemlich happig finde (auf Museum und die Schifffahrt hätte ich auch verzichten können), so ist der Besuch des Geysirs dennoch lohnenswert! Nicht nur wegen des schönen Anblicks, sondern auch weil alle Mitarbeiter (Museum, Schiff und Mitarbeiter beim Geysir vor Ort) sehr engagiert waren. So hatten wir Gelegenheit nach dem Ausbruch und Mitarbeiter vor Ort noch eingie Fragen zu stellen und er erzählte auch noch das ein ander andere Wissenswerte! Aber auch ohne den Mitarbeiter zu löchern kann man den Earthcache GC2XXK6 locker lösen.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns direkt auch die historische Innenstadt vor Andernach angeschaut:

Das Bollwerk – Das Bauwerk ist eine im 17.Jh. übliche Bastion, deren spitzwinkliger Vorbau in den Fluss ragt. Zur Landseite überspannt ein Tonnengewölbe aus Grauwacke die Passage der früheren Durchgangsstraße. Dieser Monumentalbau überwachte den Zollverkehr und die Schifffahrt auf dem Rhein. Als Eisbrecher besaß die Anlage eine zusätzliche Schutzfunktion für Andernach. Heute befindet sich auf dem Bollwerk ein Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Den dazugehörogen Cache GC4KVCY haben wir leider nicht gefunden, aber wahrscheinlich hatten wir nur Tomaten auf den Augen.

Christuskirche – Die heutige evangelische Christuskirche ist eine hochgotische, zweischiffige Hallenkirche mit dreijochigem Langchor und vielen spätgotischen Bauelementen. Sie war bis 1802 die ehemalige St.-Nikolauskirche des Minoritenklosters.

Ruine der kurkölnischen Stadtburg mit intaktem Bergfried und restauriertem Pulverturm – 1493–1495 erbaut, sowie der in Teilen erhaltenen Stadtmauer.

Wer noch etwas mehr Zeit, für den lohnt sich auch GC30B0X – ein kleiner Multi, der durch die historische Altstadt führt.

 

Nach dem Geysir machten wir einen Abstecher zur Wingertsbergwand. Diese ist ein geologisches Fenster in die Vergangenheit (nicht nur für Vulkanforscher). Die beeindruckenden, bis zu 40 Meter hohen Tephra-Ablagerungen sind ein Ergebnis der gewaltigsten vulkanischen Eruption in Mitteleuropa – Der Ausbruch vom Laacher See-Vulkan vor ca. 13.000 Jahren, der weite Teile der vulkanischen Osteifel für immer veränderte. Der gewaltigste Vulkanausbruch der jüngeren Erdgeschichte in Mitteleuropa schleuderte ca. 6,5 km³ vulkanisches Material aus, wobei der Ausbruch nicht gleichförmig, sondern höchst komplex verlief. Die unterschiedlichen Ausbruchsmechanismen führten zu unterschiedlichen Ablagerungen vulkanischen Gesteins und sind heute am Aufschluss der Wingertsbergwand sichtbar.

Hier hatten wir Gelegenheit gleich zwei Caches – einen Tradi GC4FX4M und einen Earthcache GC13QF4 – zu loggen.

Theater-Theater

•22. April 2017 • Schreibe einen Kommentar

Seit nunmehr 5 Jahren bin ich Mitglied einer kleinen aber sehr feinen Theatergruppe. Wir sind kein historisch lang gewachsener Verein sondern eine kleine Gruppe von 10-15 Personen, die 1x wöchentlich probt und alles was dazu gehört (Organisation der Auftritte, Bühnenbild, PR, Transport, usw.) selbst organisiert. Neue Stücke werden basisdemokratisch ausgewählt, die Regie übernimmt regelmäßig ein anderer Spieler und und wir haben mittlerweile auch feste Technikleute. 

Unsere größte Stärke ist aber gleichzeitig auch unsere größte Schwäche… Ist man nur so eine kleine Gruppe, ist jeder mit großem Angagement dabei, schließlich wollen wir alle ein tolles Stück auf die Beine bringen und unser Publikum begeistern. Jeder bringt sich ein, wo er kann, obs nun um die Organisation von Getränken, Besorgen von Requisiten, Betreuung der Homepage oder Entwurf von Plakaten geht. Dadurch will aber natürlich auch jeder Teil eines Stückes sein. Natürlich soll immer ein anderer die Hauptrolle bekommen, Wochenendproben sollen frühzeitig mit jedem einzelnen abgestimmt werden – auch nicht all zu häufig angesetzt werden und natürlich soll auch jeder immer in jedem Stück eine Sprechrolle bekommen.

Aber wer kennt nicht das Sprichwort: Viele Köche verderben den Brei?

Auf der Suche nach neuen Stücken sind wir schon dadurch eingeschränkt, dass jeder eine Sprechrolle bekommen soll. Da fallen dann schon immer viele tolle Stücke raus, bei denen nur 7 oder 8 Schauspieler benötigt werden. Zusätzlich neben der Anzahl der Sprechrollen, muss dann auch noch die Anzahl an weiblichen und männlichen Rollen passen. Haben wir dann doch ein mögliches Stücke gefunden, muss dieses noch bis zu 15 Schauspielern gefallen. Es geht also gar nicht anders: das schließlich ausgewählte Stück ist immer ein Kompromiss…

Ein weiteres heikles Thema ist die Rollenverteilung. Von der Regie wird erwartet darauf zu achten, dass die Spieler, die in den letzten 1-2 Stücken eher kleinere Rollen hatten, nun aber große Rollen bekommen und andersrum. Dann gibt es ja auch Schauspieler die bestimmte Rollen von vorneherein ablehnen oder definitiv keine Kuss-Szenen übernehmen wollen. Daneben muss aber das Alter der Schaupieler so einigermaßen mit dem Alter der Figuren passen, schließlich vermag auch die beste Maske aus einer 70-jährigen keine jugendliche Lolita zu machen. Und was für die Regie das Wichtigste ist: die jeweiligen Schauspieler müssen die jeweiligen Charaktere glaubhaft darstellen können! 

Es ist also unmöglich, es immer allen Schauspielern recht zu machen, auch wenn man gerade in so einer kleinen und familiären Gruppe, niemandem vor den Kopf stoßen will. Da ich dieses Jahr todesmutig die Aufgabe der Regie übernommen habe (glücklicherweise bin ich nicht alleine), bin ich sehr gespannt, zu welchem Unmut meine Rollenverteilung dieses Jahr führen wird. Ich hoffe ich habe danach noch weiterhin Lust, „den Umheimlichen“ auf die Bühne zu bringen. 

Fortsetzung folgt…

„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“

•5. Dezember 2016 • Schreibe einen Kommentar

Wer dieses Zitat kennt, hat entweder ein gutes Gedächtnis für witzige Anekdoten oder er oder sich muß sich als Physik-Geek outen, denn dieser Satz hat eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des Telefons.

johann-philipp-reis_11860/61 arbeitete der deutsche Lehrer Philipp Reis an einem Gerät für  elektrische Sprachübermittlung. Ursprünglich wollte Reis eigentlich nur besser verstehen, wie das Gehör funktioniert und entwickelte dabei die Grundlage des heutigen Telefons. Natürlich muss man aus heutigen Sicht seine Arbeit im Zusammenhang mit einigen anderen Erfindern wie Samuel F.B. Morse und Alexander Gaham Bell sehen aber wer weiß… Hätte er seine Erfindung weiter ausgearbeitet und wäre er nicht bald sehr krank geworden,  vielleicht würde heute keiner mehr Alexander Gaham Bell kennen.

Denn 1861 war Reis soweit, seinen Apparat vorzustellen. Bevor er ihn aber am 26. Oktober 1861 in Frankfurter  den Physikalischen Verein vorstellte, gab es eine Generalprobe vor einigen Freunden und Kollegen in seinem Haus. Dabei saß sein Schwager in einem Nebenraum und las aus einem Buch vor, Reis hörte diese Worte durch einen Apparat und wiederholte die gehörten Worte seinen Zuschauern. Einer dieser Zuschauer behauptete aber, Reiss kenne das Buch vielleicht auswendig und ging daher seinerseits in den Nebenraum um selbst etwas in diesen Apparat zu sprechen, was Reis verstehen mußte.

Und damit, falls die Worte nur unvollkommen ankommen, Reiss sie nicht erraten konnte. war der erste in ein Telefon gesagte Satz: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“. Reis verstand zwar nicht genau, was das Pferd frisst, und dachte, die Sonne sei aus Zucker (Originalsatz „Die Sonne ist von Kupfer“) , aber die Zuschauer war dennoch überzeugt.

Bis zur Aufführung in Frankfurt war der Apparat mehrfach verändert worden. Die Mitglieder des Physikalischen Vereins erlebten mit, wie zwei Assistenten in einem anderen Raum musizierten. Einer sang und einer spielte Horn. Musik war mit dem Reis-Telefon nähmlich etwas besser zu verstehen als reiner Text.

Der Physikalische Verein half ihm darauf hin bekannt zu werden und vermittelte Reis weitere Auftritte und Veröffentlichungen. Ebenso brachten sie ihn auch mit einem Frankfurter Mechaniker zusammen, der das Telefon in Serie produzierte und für 21 Gulden in alle Welt verkaufte. Dennoch war Reis enttäuscht und legte eine Mitgliedschaft in Verein nieder, denn er hatte sich erhofft, dass der Verein mehr für die Vermarktung seiner Erfindung tun wurde, auch wenn das nicht die Aufgabe des Vereins war.

Die ersten Käufer seiner Erfindung waren Fachleute, unter anderem Mr. Bell. Dieser entwickelte Reiss Erfindung weiter, vereinte Sender und Empfänger zu einem Gerät, so dass die Kommunikation in beide Richtungen funktionierte und ließ sich das Telefon zweite Jahre nach dem Tod von Philipp Reis patentieren. Da er das Patent angemeldet hat, gibt Bell heute als Erfinder des Telefons.

Aber eigentlich hat Philipp Reis dies schon Jahre vorher erfunden und seine Erfindung mit den nicht Gurkensalat fressenden Pferden eingeweiht.

 

 

 

Von zwei Toren und Kriegen

•22. November 2016 • Schreibe einen Kommentar

Dies ist eine Geschichte, wie zwei Schlachte zwei Tore an zwei gegenüberliegenden Seiten des deutschen Reiches im 19. Jahrhunert beeinflußten.

Nun, der Anfang unserer Geschichte startet in Berlin, wo nach der verloren Schlacht bei Jena 1806 Napoleon die Quadriga des berühmten Brandenburger Tors als Kriegsbeute nach Paris bringen lies. Während die Berliner nun also jahrelang dazu verdammt waren, von dem geschändeten Tor an die Niederlage bei Jena erinnern zu werden, hatte Napoleon der Plan die Quadriga mit anderen Kustgegenständen als Kriegsbeute auszustellen. 

Dazu sollte es aber nicht mehr kommen denn 1814 unterlag Napoleon, wie den meisten bekannt, in der Schlacht von Waterloo endgültig den Alliierten. Die Truppen fanden nun die Quadriga immernoch in Kisten verpackt in Paris, als ob sie gerade frisch eingetroffen wären. Der für Paris verantwortliche preußische Kommantent Ernst von Pfuel veranlasste und überwachte die Rückkehr des Viergespanns nach Berlin, wo es nach einer Restauration und leichten Umgestaltung der Figur der Wagenlenkerin zur Siegesgöttin Viktoria wieder auf dem Brandenburger Tor platziert wurde. 

Der Weg dahin war allerdings ein langer und beschwerlicher. Von Paris bis Berlin liegen bis zu 1000km und viele kleine Orte, die die Quadriga passieren mußte. Einer davon und das heutige Mettmann, ein damals kleiner aber wachsender Ort im Großherzogtum Berg mit knapp 4000 Einwohnern. Von Düsseldorf kommen mußte nun die Quadriga durch Mettmann hindurch, allerdings stand letzte erhaltene Stadttor im Weg. Mettmann hatte damals schon längst die Ausmaße der früheren Stadtmauern gesprengt, aber das alte Stadttor stand immer noch an der damaligen Hauptstraße. Das Tor gestattete dem Kunstwerk nicht den Durchgang, es war einfach zu klein, und wurde daher kurzerhand niedergerissen. Ob es Versuche gab, das alte Stadttor zu erhalten oder ob sich niemand darum scherte, ist heute leider nicht mehr bekannt. 

Und so führte die Zerstörung eines kleinen Stadttors zum wiedererwachten Glanz eines anderen Stadttores, welches mit der ersten „Retourkutsche“ (daher die Redensart) der Welt gekrönt, heute tägich von hunderten von Touristen bewundern wird.

Endzeitstimmung…

•1. September 2016 • Schreibe einen Kommentar

…verspürt man definitiv, wenn man nahe Volterra durch eine ehemalige Psychatrie steift.

Aber von vorne: In Volterra waren wir mit zwei Freunden verabredet, die zur gleichen Zeit ebenfalls in der Toskana Urlaub machten. So saßen wir bei schönstem Sommerwetter am für toskanische Städte typischen Rathausplatz, witzelten über Kinofilme und genossen unseren Kaffee. Bald darauf entschlossen wir uns das örtliche Foltermuseum (welchen ebenfalls in mehreren toskanischen Städten zu finden ist) anzusehen…

Mit erleichtertem Geldbeutel schauten wir uns gleichzeitig angewidert und doch interessiert die verschiedenen Exponate  und deren Erklärung an, waren aber über die überschaubare Größe des Museums im Verhältnis zum Eintrittspreis letztendlich doch etwas enttäuscht. Zur dem Zeitpunkt ahnte keiner von uns, dass uns bald ohne jegliche Kosten ein Schauer über den Rücken laufen würde…

Was nun, fragten wir uns? Da ich im vorhinein davon gelesen hatte, dass es in unmittelbarer Nähe von Volterra eine seit den 70ger Jahren verlasse Psychiatrie gibt (in deren Fassade ein dort untergebrachter Künstler nahmen Oreste Fernando Nannetti (NOF4) nur mit Hilfe seiner Gürtelschnalle ein Werk der Art Brut, eine Synthese aus bildender Kunst und Literatur, gekratzt hatte), wollten wir uns das aus der Nähe ansehen.

Gespannt was uns erwarten würde, erreichten wir zügig das Gelände und betraten neugierig die Räume, die einst für unzählige Patienten eher Gefängnis statt Zuflucht gewesen waren. Die Psychiatrie von Volterra besaß seinerzeit einen zweifelhaften Ruf – wie so viele andere Psychiatrien. „Nach Volterra gehen“ wurde zum Synonym eines Weges ohne Rückkehr. NOF4 selbst sagte einmal, dass 10% der Insassen an den Folgen der Elektroschocktherapie starben, 40% auf Grund von Krankheiten und 50% zu Grunde gingen wegen Hasses und aus Mangel an Liebe und Zuneigung. Bis zu 6000 Menschen waren hier gleichzeitig untergebracht, 20 Waschbecken und 2 Bäder für jeweils 200 Patienten. Vielleicht auch wegen dieser Vorgeschichte ist bis heute eine bedrückende Aura in diesen Hallen zu spüren.

Meterlange dunkle Flure mit unzähligen offenen Türen, Putz auf dem Boden, zugewachsene Fenster, das entfernte Summen eines Wespennestes und die sonst gespenstische Stille ließen uns schaudern. Nur vorsichtig erkundeten wir die Räume. Dieses Gebäude war seit Jahren verlassen, nur das ein oder andere Graffiti zeugte davon, dass sich hier noch ab und an jemand hin wagte. Glassplitter knirschten unter unseren Schuhen. Bei jedem unvorhersehbaren Geräusch zuckten wir zusammen. Hier waren wir, in der perfekten Kulisse für jeden Horror- oder Zombie-Film. War da nicht ein Motorgeräusch entfernt zu hören? Kam gerade der Psychopath mit seiner Kettensäge um uns zu holen? Lediglich die Blutspritzer an der Wand fehlten für die perfekte Illusion.

Den dunklen Keller wollten wir dann nicht mehr erkunden. Wenn da etwas schlummert, so wollte es sicher nicht von uns gefunden werden.

das Schloss von Sammezzano

•31. August 2016 • 1 Kommentar

Auch auf die Gefahr hin euch, meine mit wohl gesonnen Leser, zu langweilen möchte ich euch ein weiteres Highlight unseres diesjährigen Toskana-Trips näherbringen.

Nicht all zu weit weg von Florenz oben auf einem Hügel oberhalb des kleinen Ortes Leccio findet sich ein altes verlassenen und dennoch sehr bemerkenswertes Castello.

Mit dem Auto ist diese wirklich nicht zu erreichen, auch wenn laut Karte und laut Navi zwei Straßen hinauf führen… Die eine Straße ist mit einem längst bewachsenen Schranke versehen und den anderen Weg für ein normales Fahrzeug unmöglich zu bewältigen, wir haben es versucht… Also Kamera einpacken und zu Fuß den Aufstieg angehen.

Der Weg führt vorbei an einem längt zusammen gefallen Haus und über mehr oder weniger zugewachsene Wege. Gerade bei brütender Hitze hat man (zumindest wir) bald schon keine Lust mehr aber noch bevor einen die Motivation verläßt, wird die Straße wieder breiter und man passiert ein altes herrschaftliches Tor. Geht man ab hier noch etwas weiter öffnet sich der Wald und gibt den Blick frei auf das frühere Jagdhaus des Schlosses. Da hier schon seit Anfang der 90ger niemand mehr das Gebäude in Schuß hält sind mittlerweile fast alle Fenster eingeschlagen, ein Bauzaun versucht vergeblich Neugierige vom Betreten der Ruine abzuhalten. Natürlich konnte auch ich nicht widerstehen und einen Blick hinein werfen…

 

Dreht man sich aber nun um sieht man das eigentliche Schloß  von Sammezzano. Schon auf Fotos finde ich, dass das Schloß wirklich beeindruckend ist, handelt es sich hierbei um das größte Beispiele für orientalisierende Architektur innerhalb Europas. Mit welcher Detailliebe die Fassade ausgestattet ist, die satten in der Sonne leuchtenden Farben lassen einen Staunen.

Durch die vielen Ornamente und Farben, die großen runden Türen und die geraden Gebäudelinien wirkt das Schloß wie eine Mischung aus mittelalterlichem Schloß, Hobbithaus mitten im Orient.

Der ursprüngliche Palast wurde bereits um 1605 von dem spanischen Adligen Ximenes von Aragon errichtet, bekam sein heutiges Aussehen aber erst zwischen 1853 und 1889 von Ferdinand Panciatichi Ximenes. Beeinflusst von kulturellen Trend namens „Orientalismus“, der sich damals in ganz Europa verbreitet, begann Ferdinand die bestehende Struktur zu ändern und neue Räume zu bauen wie beispielsweise die Eingangshalle im Jahre 1853, 1862 die Halle der Stalaktiten und den Ballsaal im Jahre 1867.

Als leidenschaftlicher Botaniker reorganisiert Ferdinand auch ein großes Gebiet rund um die etwa 65 Hektar, die den so genannte Castle Historical Park bilden, und  legte er eine große Anzahl von seltenen und exotischen Pflanzen an. So findet man hier beispielsweise den so genannte „Twin Redwood“ der mit mehr als 50 Meter Höhe und einem Umfang von 8,4 Metern einer der monumentalsten Bäume in Italien ist.

Der Palazzo diente in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 90ger Jahre als ein Luxushotel, wurde dann aber geräumt und geschlossen. Nach vielen hin und her wurde 2012 ein Komitee gegründet, um das Schloß mit seinen 365 Zimmern, jedes mit einzigartigen, maurische Dekorationen, und seine Außenanlage zu erhalten.

Leider leider ist das Schloß nur sehr selten und mit langer Voranmeldung zu besichtigen. Ich bin sicher er lohnt sich! So konnten wir das Schloß nur von außen bewundern und hoffen sehr, dass es dem Komitee gelingt, dieses Prunkstück die erhalten.